Warum das „Bio“ in Baumwolle so wichtig bei Baby und Kids ist

Biobaumwolle

Was genau macht eigentlich das „Bio“ aus in der „Biobaumwolle? Und warum ist es so wichtig, gerade bei Baby- und Kinderkleidung darauf zu achten? Wir haben Karl Bär, Referent für Agrar- und Handelspolitik am Umweltinstitut München, dazu befragt und sehr klare Antworten bekommen:

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„Gerade Kinder, die sich körperlich noch entwickeln, sollte man dem nicht aussetzen.“

Green Baby Guide: Baumwolle oder Biobaumwolle – was ist eigentlich der Unterschied?

Karl Bär: Wenn wir uns einen Apfel und ein T-Shirt vorstellen, fällt schnell auf, dass ein Apfel ein viel einfacheres Produkt ist. Für ein T-Shirt wird die Baumwolle zu Stoff verarbeitet, genäht und gefärbt. All das macht der Apfel nicht durch. Gutes Obst zu kaufen, ist daher einfacher.

Baumwolle kann Bio sein, so wie ein Bio-Apfel bio ist. Das heisst unter anderem: Die Baumwolle wurde ohne Gentechnik und Pestizide hergestellt. Baumwollanbau ist sehr intensiv und verbraucht viel Wasser. Die meiste konventionelle Baumwolle ist genmanipuliert, damit sie Unkrautvernichtungsmittel wie RoundUp (mit dem wahrscheinlich krebserregenden Wirkstoff Glyphosat) aushält. Entsprechend viel wird davon auch gespritzt. Auf Bio-Baumwolle zu achten, ist daher sehr sinnvoll.

Der Vergleich mit dem Apfel zeigt aber deutlich, dass das nicht reicht. Auf dem Weg zum T-Shirt kommt die Baumwolle mit vielen anderen Chemikalien in Kontakt, die zum Beispiel als Lösungsmittel, zum Bleichen und Färben oder als Knitterschutz, als Aufdrucke und Imprägnierung dienen. Darunter ist vieles, was gesundheitsschädlich sein kann wie Azofarben, Phthalate, Nonylphenolethoxylate oder sogar Schwermetalle.

Als drittes kommen die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Kleidung hinzu. Als Mutter muss ich mir überlegen, ob ich meine Kinder mit Kleidung ausstatten will, unter deren Herstellung Mütter und Kinder in anderen Teilen der Welt leiden.

GBG: Warum sollte man gerade bei Kinderkleidung darauf achten, dass es Biobaumwolle ist?

Bär: Im konventionellen Baumwollanbau ist Gentechnik üblich und es werden sehr viele Chemikalien bereits beim Anbau eingesetzt. Dazu kommen die Chemikalien aus der Textilindustrie. In beiden Fällen ist vieles dabei, was gesundheitsschädlich ist oder im Verdacht steht, gesundheitsschädlich zu sein. Gerade Kinder, die sich körperlich noch entwickeln, sollte man dem nicht aussetzen.

Außerdem gilt: „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“. Die Zerstörung von Natur und Umwelt durch Chemikalien und Wasserverbrauch in Mittelasien, China oder Bangladesch macht unseren Planeten ärmer und instabil – auch wenn sie weit weg ist.

GBG: Wie weiß ich, ob es sich bei dem bestimmten Kleidungsstück wirklich um Bio handelt?

Bär: Bei der Baumwolle selbst gilt, dass nur als „bio“ bezeichnet werden darf, was aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammt – wie beim Apfel. Das EU-Biosiegel kann auch bei Baumwolle zum Einsatz kommen.

Für wirklich ökologische Textilien, in denen auch die restlichen Fasern und die Chemikalien, die bei der Herstellung benutzt wurden, ökologisch unbedenklich sind, gibt es den internationalen „Global Organic Textile Standard“ sowie die vor allem in Deutschland verbreiteten Zertifikate des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft. Diese haben Labels, die bei den Produkten zu finden sind und auf die man beim Einkauf achten kann.

Faire Preise und Arbeitsbedingungen für die LandwirtInnen und die ArbeiterInnen in den Fabriken verspricht das Fair Trade Siegel, das viele von Kaffee oder Schokolade kennen.

 GBG: Kann man den großen Marken vertrauen, wenn sie auf „grün“ machen und alles als Biobaumwolle deklarieren? 

Bär: Wenn etwas „bio“ heißt und das EU-Biosiegel trägt, dann ist es üblicherweise auch bio – es sei denn jemand betrügt absichtlich. Allerdings sagt das nur etwas über den Baumwollanbau aus, nicht aber über den Herstellungsprozess. Dazu kommt, dass eine Textilie aus Bio-Baumwolle nicht immer zu 100% Baumwolle enthält. Wieviel Baumwolle und welche synthetische Fasern in einem Kleidungsstück sind, steht auf dem Etikett.

Zusätzliche Labels der Hersteller sind oft völlig bedeutungslos – was nicht unabhängig kontrolliert wird, hat wenig Bedeutung und dient mehr der Werbung als der Information der VerbraucherInnen über die Herstellung des Produkts.

Ich würde dazu raten, vorsichtig zu sein, wenn große Hersteller oder Handelsketten einzelne Produkte aus Bio-Baumwolle anbieten, ansonsten aber ihr Geschäftsmodel nicht ändern. Das klingt nach „Greenwashing“.

GBG: Gibt es einheimische Alternativen zu Baumwolle?

Bär: Baumwolle war in Europa bis ins 19. Jahrhundert ein Luxusprodukt. Kleidung bestand üblicherweise aus Leinen, Hanf oder Wolle. Das sind Naturstoffe, die sich gut ökologisch produzieren und verarbeiten lassen. Kleidung aus Wolle muss nicht kratzig sein und Hanf ist mehr als Marijuana. Ein neuer Blick auf Kleidung aus diesen einheimischen Stoffen lohnt sich.

Biosiegel

Bilder: © Shutterstock

 

 

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