Alles Wichtige rund ums Bett: Tipps von der Kinderschlaf-Expertin

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(c) Grüne Erde

Schlafen, oder nicht Schlafen? Das ist wohl die Frage, um die sich in den ersten Jahren fast alles dreht. Gerade beim ersten Kind erleben Mütter viel Unsicherheit – unter anderem auch über die richtige Schlafumgebung. Welche Matratze ist richtig? Wann braucht mein Kind einen Polster? Können „Nestchen“ wirklich gefährlich sein? Im Little Green-Interview gibt Elke Mayr, Kinder-Schlafexpertin von Grüne Erde* praktische Tipps rund ums Baby- und Kinderbett.

(*Dieses Interview ist nicht gesponsert, sondern ein rein redaktioneller Beitrag auf Anfrage von Little Green.)

Litte Green: Instinktiv möchte man sein Baby auf weicher Watte betten, aber das stimmt so wohl gar nicht. Wie sieht denn die ideale Matratze für einen Säugling aus? 

Elke Mayr: Tatsächlich soll die Matratze eines Säuglings eher hart sein, da Babys und Kleinkinder bis etwa 4 Jahre eine kompakte Körperform haben und einen runden Rücken. Eine feste Matratze (und ein fester bzw. starrer Lattenrost) wird der im Wachstum befindlichen Wirbelsäule des Kindes am besten gerecht.

Weiters empfehle ich, dass die Matratze aus reinen, allergenfreien, gesundheitlich unbedenklichen Naturmaterialien aus kontrolliert biologischem Anbau besteht und natürlich auf Schadstoffe überprüft wurde.

Little Green: Worauf ist bei einer Matratze zu achten? Warum sind Schadstoffe in herkömmlichen Matratzen so gefährlich?

Elke Mayr: „Herkömmliche“ Matratze haben verschiedene Nachteile – entweder sie enthalten Metall (z.B. Federkernmatratzen, Boxspringmatratzen), welches das natürliche Erdmagnetfeld am Schlafplatz stören können, oder sie zeichnen sich durch schlechte Atmungsfähigkeit und negativen Feuchtigkeitstransport aus (z.B. Viscomatratzen, Wasserbetten , Luftbetten) – oder aber sie werden als Naturlatex ausgezeichnet (da der Begriff rechtlich nicht geschützt ist), bestehen aber in Wirklichkeit aus Syntheselatex (welcher aus petrochemischen Rohstoffen besteht und darüberhinaus auchweniger punktelastisch ist als Naturlatex).

Kaltschaummatratzen bestehen aus dem endlichen Rohstoff Erdöl und enthalten oft hochgiftige Isocyanate , welche als zellschädigend und krebserregend eingestuft werden. „Kaltschaummatratzen aus biologischen Rohstoffen“ haben eine geringe Beimengung (meist unter 20 %) eines natürlichen Öls zum Hauptrohstoff Erdöl, der petrochemische Prozess ist allerdings der gleiche.

Die Frage ist also eher – warum soll ich mich gegen eine Naturmatratze entscheiden? Für unsere Naturmatratzen verarbeiten wir ausschließlich natürliche, nachwachsende Rohmaterialien – diese sind sanft zur Haut, chemie-, allergen- und reizfrei. Dabei räumen wir Fasern wie Schafschurwolle und Leinen sowie Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau höchste Priorität ein. Und: Alle Grüne Erde- Matratzen sind vom Qualitätsverband Umweltverträgliche Latexmatratzen (QUL) geprüft und zertifiziert.

Little Green: Vor kurzem gab es Berichte, die „Nestchen“ rund ums Gitterbett (zum Schutz vor den Stäben) seien gefährlich. Auch Polster und Decken soll man im 1. Jahr weglassen. Stimmt das? Muss man da wirklich aufpassen?

Elke Mayr: Ja, das stimmt auf jeden Fall. Polster und Decken haben in einem Babybett grundsätzlich nichts zu suchen und sind überflüssig. Im Falle, dass die Decke oder der Polster über den Kopf des Neugeborenen rutscht, haben die Babys noch nicht die Kraft dazu, diese wieder zu entfernen, daher besteht Erstickungsgefahr! Außerdem brauchen Babys ergonomisch gesehen noch keinen Polster.

Wenn das Baby im Familienbett schläft, ist auch Vorsicht geboten, damit der Säugling mit dem Gesicht nicht unter die Decke kommt!

Beim Kauf von einem „Nestchen“ ist auf Folgendes zu achten:  Die Bänder zum Befestigen des Nestchen an den Stäben des Gitterbettes sollen nicht unnötig lang sein, damit sich das Baby nicht verfangen kann. Außerdem soll das Nestchen relativ dünn sein und aus Naturmaterialien bestehen – falls das Baby doch irgendwie unter das Nestchen rutschen sollte, so bekommt es trotzdem ausreichend Luft.

Little Green: Wie schütze ich eine Naturmatratze, wenn mal ein „Malheur“ passiert?

Elke Mayr: Bei Neugeborenen ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Naturmatratze du verunreinigt wird, da das Baby ja in einem Schlafsack schläft und zusätzlich noch einen Pyjama und Windeln an hat. Aber bei Kleinkindern oder Babys, die ohne Windeln aufwachsen, kann natürlich immer wieder mal was passieren. Als Schutz empfehlen wir eine Flanellauflage bzw. am besten zwei Flanellauflagen übereinander, um wirklich sicher zu gehen.

Bei einem internen Dichtheitstest hat sich herausgestellt, dass die Flanellauflage das Wasser sofort aufnimmt und die Matratze darunter weitgehend trocken bleibt. Die Flanellauflage kann man außerdem mit 95°C waschen. Wer noch sicherer gehen möchte, legt unter der Flanellauflage noch ein Baumwollunterbett (ist auch waschbar) und gibt über Auflage, Unterbett und der Matratze noch einen abnehmbaren und waschbaren Matratzenschonbezug.

 

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(c) Grüne Erde

Little Green: Wie groß soll der Polster (und die Decke) bei einem Kleinkind sein? Welche Materialien sind am besten geeignet und warum?

Je nachdem, ob das Kleinkind noch im Gitterbett liegt oder schon in einem größeren Bett, soll das Kissen entweder 35 x 40 cm oder 40 x 60 cm sein; größere Kissen empfehlen wir nicht, da die Schulter auf der Matratze liegen sollte und nicht auf dem Kissen selbst. Wichtig ist, dass die Kissen für die Kleinkinder nicht zu hoch sind, das heißt, dass sie weniger Füllmaterial beinhalten müssen als Kissen für Erwachsene.

Kinder bewegen sich im Allgemeinen sehr viel im Bett, daher ist für kleinere Kinder (bis ca. 3 Jahre) ein Schlafsack ideal, sofern das Kind es noch möchte, – oder eben eine Bettdecke in 100 x 140 cm oder 140 x 200 cm. Die Größe 70 x 100 cm ist eher für Kinderwägen geeignet.

Little Green: Und woraus sollen Polster und Decken am besten sein? 

Elke Mayr: Bei den Materialien empfehle ich bei den Decken Baumwolle, Leinen/Baumwolle oder Merinowolle – die ersten beiden Materialen wegen der Waschbarkeit, letztere wegen der hohen Selbstreinigungskraft. Beim Kissen empfehle ich das Kissen aus Latexflocken und Kapok, da es auch bei 60 Grad waschbar ist und eine geringere Füllmenge enthält als unsere Standardkissen.

Little Green: Wie wäscht man Decken und Polster am besten und wie oft?

Elke Mayr: Waschbare Decken aus Baumwolle oder Baumwoll/Leinen wäscht man am besten mit einem ökologischen Flüssigwaschmittel bei 40 oder 60 Grad. Generell gilt, dass Naturfaserdecken (egal ob waschbar oder nicht) sehr saugfähig sind, feuchtigkeitsausgleichend wirken und zu einem trockenen Schlafklima beitragen. Da sich Naturfasern (v.a. Schafwolle durch seinen hohen Fettgehalt) durch eine hohe Selbstreinigungskraft auszeichnen, genügt es, diese regelmäßig zum Lüften nach draußen zu hängen.

Wie oft man Decken und Kissen waschen soll, kann man nicht pauschal sagen. Wenn ein „Malheur“ passiert ist oder nach einer Krankheit gehören die Schlaftextilien auf jeden Fall gewaschen, ansonsten kommt es auch drauf an, ob das Kind viel schwitzt oder die Decke regelmäßig zum Lüften nach draußen gehängt wird.

Little Green: Welche Materialien sind bei der Bettwäsche empfehlenswert?

Elke Mayr: Wir empfehlen Baumwolle oder Leinen aus kontrolliert biologischem Anbau. Baumwolle passt zu jeder Jahreszeit, Flanell bevorzugt im Winter, Leinen wirkt kühlend und ist daher für heiße Sommermonate bestens geeignet.

 

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(c) Grüne Erde

Little Green: Worauf ist in der Schlafumgebung, also Bett, Zimmer noch zu achten, damit mein Kind gut schläft?

Elke Mayr: Bettwäsche, Kissen, Decken, Matratzen und Kuscheltiere gehören zu jenen Dingen, mit denen Kinder viel Hautkontakt haben und die von Babys oft in den Mund gesteckt werden, um sie näher zu „erkunden“. Der Organismus und die Haut von Kindern sind besonders empfindlich: Daher achtet die Grüne Erde bei solchen Produkten besonders sorgfältig darauf, dass sie ausschließlich aus natürlichen, chemisch unbehandelten Rohstoffen gefertigt sind. Denn für Kinderprodukte muss gelten: Das Beste ist gerade gut genug.

Little Green: Schön gesagt! 

Elke Mayr: Eine von Naturmaterialien geprägte Schlafumgebung ist eben die materielle Grundlage für den gesunden Schlaf der Kinder. Genauso wichtig aber sind Sicherheit und Zärtlichkeit, die Eltern ihrem Kind in Form von Einschlafhilfen geben können. Im Erleben des Kindes ist das Einschlafen eine Situation der Trennung und des Verlustes. Rituale, die sich jeden Abend wiederholen, schaffen Vertrauen und erleichtern dem Kind den Übertritt in das Alleinsein im Schlaf..

 

 

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