Zuckerfrei durch die ersten Jahre

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Als ich zum ersten Mal hier auf Little Green einen Post übers Naschen geschrieben habe, gab´s gleich auf Facebook Kommentare wie „Wer gibt denn schon seinem Kind Schokolade?“. Ja, ich geb´s ja zu: ich bin eine Mama, die gerne und oft schwach wird. Der viele Zucker ist mir aber ein Dorn im Auge und ich bewundere Eltern, die konsequent eine Linie verfolgen. Die Auswirkungen von zu viel Zucker bei Kindern reichen schließlich von Karies, Fettleibigkeit und Hyperaktivität bis hin zu einem geschwächten Immunsystem. Gründe genug, gar nicht erst damit anzufangen!

Birgit Parade

Wir haben mit einer Mama gesprochen, deren Kind so gut wie keinen Zucker* bekommt und nachgefragt, wie sie mit den süßen Versuchungen im Alltag umgeht: Birgit, 37, aus Wien, Mama von Ted, 17 Monate, zeigt Selbstgekochtes auf Instagram als bipa14  (https://www.instagram.com/bipa14/) und erzählt in unserem Interview über ihr zuckerfreies Familienleben. Ab jetzt wird Birgit auch immer wieder ihre Rezepte hier auf Little Green teilen. Wir freuen uns, sie mit an Bord zu haben! (*Anmerkung der Redaktion: Wir meinen hier den raffinierten herkömmlichen Haushaltszucker. Obst, aber auch alternative natürliche Süßungsmittel, enthalten auch Zucker, und manche Zuckerfrei-Programme lassen sie deshalb auch weg.)

Little Green: Dein 1,5-jähriges Kind hat noch nie Zucker gegessen. Gibt es bei Euch also keine Schokolade, keine Zuckerl, keine Eis? Aber auch kein Ketchup? Wie streng bist Du wirklich mit dem Zucker?

Birgit: Wir achten immer darauf, dass Ted keinen raffinierten Zucker isst. In Restaurants ist es natürlich schwieriger. Da fragen wir zwar nach, ob die Dinge mit Zucker gemacht sind, aber den ganzen versteckten Haushaltszucker, der in verschiedenen Zutaten steckt, kann ich da natürlich nicht wirklich kontrollieren. Für uns ist es aber wichtig, zumindest zu Hause und da, wo es möglich ist, darauf zu achten. Das wollen wir dann auch so handhaben, wenn Ted in den Kindergarten kommt. Zuhause kochen wir daher fast alles frisch. Es gibt Schokolade, aber eigentlich auch für uns Erwachsene meist mit mindestens 70% oder 80% Kakaoanteil. Zuckerl sucht man bei uns vergebens und Eis wird zumindest für unseren Kleinen selbst gemacht. Ketchup hat Ted noch nie gegessen. Da hatte ich noch keine Zeit, zuckerfreies einzukochen, auch wenn ich da schon ein Rezept zum Testen entdeckt habe. Aber wer weiß, vielleicht im Sommer dann, wenn es so richtig schöne und frische Tomaten gibt.

Little Green: Wie bist Du auf die zuckerfreie Ernährung gekommen? Warum ist es Dir wichtig?

Birgit: Ich habe Blogbeiträge gelesen – teilweise auch von Bekannten und Freunden –, die eine zuckerfreie Zeit bis hin zu einem Jahr hinter sich hatten und das hat mein Interesse geweckt. Bei meinen Bekannten habe ich da dann auch mal nachgefragt, und sie haben sehr begeistert von der Zeit erzählt. Gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl, dass das Essen von Haushaltszucker immer eine Art Abhängigkeit mit sich bringt und immer nur mit einem kurzen Glücksgefühl verbunden ist. Oft habe ich gemerkt, dass ich selbst schon nach kurzer Zeit wieder Lust auf mehr Süßes hatte, und das hat mir nie wirklich gefallen. Naja, und gesund ist es auch nicht. Als Ted angefangen hat zu essen, war für meinen Mann Hubert und mich klar: Wir wollen einen anderen Weg gehen – vielleicht einen gesünderen und auf alle Fälle einen bewussteren mit weniger Zucker.

Little Green: Wie sieht der aus?

Birgit: Natürlich gebe ich Süße in Gerichte. Ich nutze dafür derzeit Trockenfrüchte, Honig oder Zimt, verzichte aber auf „high processed“ Zuckerarten. Man merkt dann einfach, dass man nicht ständig mehr von dem Süßen braucht, sondern oft mit einer Portion zufrieden ist. Klar, weil diese Zuckerarten vom Körper anders verarbeitet werden als der industriell raffinierte Zucker. Für mich gibt es da auch noch viel zu erforschen, denn es gibt noch einige Zuckeralternativen, die ich noch gar nicht getestet habe. Vor kurzem habe ich für ein Familienfest zuckerfreies Schoko-Eis gemacht. Es war schon lustig zu sehen, wie begeistert alle waren, besonders weil einige Erwachsene zuvor gezweifelt hatten. Es ist aber einfach ein natürlicher, unverstärkter Geschmack.

Little Green: Worauf legst Du sonst noch Wert bei der Ernährung deines Sohnes?

Birgit: Ich habe bei der Ernährung unseres Sohnes immer schon auf Vielfalt und Ausgewogenheit geachtet. Von Anfang an hat er unterschiedliche Obst- und Gemüsesorten gegessen. Auch bei Fleisch, Fisch und anderen Eiweißarten durfte er früh von allem kosten. Seine Breie waren auch immer für die Eltern super zum Mitessen. Beim Selbstkochen gibt es jeden Tag das, was der Markt bietet. Auch bei Getreidebreien hat Ted früh unterschiedliche Sorten bekommen: neben Weizen, Dinkel und Hafer auch Emmer, Einkorn, Buchweizen, Gerste, Hirse und mehr. Die Vielfalt ist bis heute geblieben – mittlerweile nehmen wir aber nur noch das volle Korn und verarbeiten es selbst zu Mehl oder Flocken. Dazu bekommt Ted Joghurt oder Milch sowie Obst, Gemüse, Nüsse und Körner jeder Art. Er liebt intensive und stinkige Käsesorten und Ziegenfrischkäse, Gemüse und Obst. Eigentlich ist er ein richtiger Allesesser, was es natürlich auch unterwegs sehr unkompliziert macht.

Little Green: Wie schaukelst Du Einflüsse von außen, zum Beispiel Großeltern, Verwandte, die Schokolade als Belohnung geben wollen?

Birgit: Von Anfang an stand mein Mann Hubert voll und ganz dahinter. Er ist quasi in der Küche groß geworden, weil seine Familie zu Hause ein Wirtshaus hatten. Er kocht auch häufig, und da sollte man sich am besten einig sein, was unser Kind darf oder eben nicht. Derzeit halten sich auch die Großeltern an unsere Vorgabe, und das macht es natürlich einfacher. Manchmal diskutiere ich mit dem Opa die ein oder andere Ernährungsvorgabe – aber die guten Seiten überzeugen ihn meistens. Wenn Ted bei den Großeltern ist, versorge ich sie immer mit Keksen und Snacks für ihn. Aber die Großeltern wissen auch, dass er mit Obst glücklich ist. Äpfel, Bananen oder jetzt auch wieder Erdbeeren sind für unseren Kleinen die beste Nascherei.

Little Green: Zu Ostern gibt es also auch keinen Schoko-Osterhasen?

Birgit: Genau. Zu Ostern gab es heuer keinen Schokohasen, aber dafür zuckerfreien Reindling, der mit Datteln gesüßt war – ein Sakrileg für manche. Mein Mann ist als Kärntner leidenschaftlicher Reindling-Esser. Da hatte ich natürlich bedenken, ob ihm so eine neue Variante schmecken würde. Für uns steht aber jetzt klar fest: 2017 gibt es den wieder. Mal sehen, was uns für den Schoko-Osterhasen als Ersatz einfällt. Vielleicht versuche ich auch einfach mal selbst Schokolade zu machen, wer weiß.

Little Green: Ist die zuckerfreie Ernährung schwierig jetzt wo er größer wird und die Süßigkeiten-Regale in den Supermärkten sieht und zu verstehen beginnt?

Birgit: Es wird von Monat zu Monat schwieriger. Momentan gibt es auch im Supermarkt noch viele Dinge, die ihn glücklich machen: Nüsse, getrocknete Apfelringe oder die klassischen Kinderreiswaffeln – die kennt er auch schon von zu Hause und mag er sehr gerne. Gleichzeitig hat Ted noch nicht den Wiedererkennungseffekt der typischen Kindersüßigkeiten, weil ihm deren Farbe und Form unbekannt sind. Dadurch ist er darauf noch nicht so versessen. Das wird sich sicherlich irgendwann ändern.

Little Green: „Was verboten ist, ist besonders attraktiv.“ Hast Du Angst, dass das strenge Zuckerverbot einmal ins Gegenteil umkehrt?

Birgit: Es keinen Sinn hat, den Kindern etwas zu verbieten. Es ist etwas anderes, meinem Kind eine gesündere Süßigkeit anzubieten. Wenn es ihm schmeckt, ist doch alles perfekt.

Little Green: Spätestens im Kindergarten wird er durch andere Kinder mit Süßigkeiten in Berührung kommen, z.b. bei Geburtstagsfeiern mit Kuchen, etc. Wirst Du da weiterhin streng bleiben und ihm keinen Zucker erlauben?

Birgit: Sicher, irgendwann wird er im Kindergarten sein, und da wird er auch andere Süßigkeiten essen. Das soll er nicht heimlich tun müssen. Zu Hause und in der Familie kann ich dann wieder mehr darauf achten und mit Selbstgebackenen und Selbstgemachten bei Ted punkten. Wir werden ihm Zucker also nicht verbieten.

Little Green: Merkst Du bei Deinem Kleinen, dass er ohne Zucker ausgeglichener ist?

Birgit: Es ist schwer zu sagen, welches Verhalten ernährungsbedingt ist. Ich habe keine Vergleichswerte, Ted ist mein erstes Kind. Er ist grundsätzlich ein ausgeglichenes, aber aufgewecktes Kind, sehr neugierig und mit seinen fast anderthalb Jahren manchmal schon übermütig. Er schläft ruhig und hat sich über seine Verdauung noch nicht beschwert. Aber er fängt auch gerade erst an zu sprechen, da werden wir sehen!

Little Green: Vielen Dank, Birgit, für die tollen Einblicke! Wir sind ganz motiviert!

Wie sieht´s bei Euch aus? Ist Zucker bei Euch zuhause erlaubt?

 

 

 

 

 

 

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