Interview mit Little Green Gründerin Lisi Prem in der WOMAN

Ein bisschen Werbung in eigener Sache: Zu unserer großen Freude bat die WOMAN, Österreichs größtes Frauen- und Lifestyle-Magazin, Little Green Gründerin Lisi Prem für ein Interview im Green Issue im Oktober. Daraus geworden ist der Opener für den „Und… Wie grün ist Ihr Alltag?“-Artikel!

Little Green Gründerin Lisi Prem in der WOMAN Oktober 2016
Little Green Gründerin Lisi Prem in der WOMAN Oktober 2016

Das Interview war sehr viel ausführlicher als im Heft. Die Lang-Version könnt Ihr hier lesen:

WOMAN: Du kaufst nur Kleidung aus Biobaumwolle und verwendest natürliche Kosmetika. Warum hast du das Projekt gestartet? Wann und wie lange genau machst du es schon?

Lisi: Ich kaufe Biobaumwoll-Textilien und verwende nur natürliche Pflege für Max, seit er 1 ist. Damals meinte die Kinderärztin, dass er sehr trockene, empfindliche Haut hätte und ich aufpassen sollte. Ich informierte mich im Internet über die Inhaltsstoffe von Cremen und war schockiert, wie viel Schadstoffe da oft drinnen sind. Das gleiche gilt leider auch für Kinderbekleidung. Pyjamas, Unterwäsche, Bettwäsche – alles was direkt an die Haut des Kindes kommt, kann Schadstoffe abgeben und die Gesundheit des Babys gefährden. Ganz schon arg, was da einem kleinen Wurm zugemutet wird.

Für mich selbst hab ich erst vor 2 Monaten angefangen, nur natürliche Kosmetika zu verwenden, weil ich vorher keine überzeugenden Produkte gefunden habe.

WOMAN: Und wie ist das Projekt gelaufen?

Lisi: Anfangs war die Umstellung auf Biobaumwolle und Biopflege ein bisschen holprig, weil man sich in das Thema einlesen muss und sich über verschiedene Gütesiegel und Inhaltsstoffe schlau machen muss, um das richtige für sich zu finden. Wo Biobaumwolle draufsteht, ist ja auch nicht unbedingt welche drinnen – es wird ja jetzt schon viel zu wenig produziert und es gibt leider ein „Green Washing“ von Firmen, die mit auf den Trend aufspringen wollen. Man muss als Konsument selber mitdenken und ein bisschen mehr Aufwand betreiben, das ist klar.

WOMAN: Wo fiel der Verzicht / die Umstellung am Anfang besonders schwer?

Lisi: Als Design-Mami tat ich mir anfangs schwer, weil ich keine coolen, stylishen Oufits gefunden habe. Alles war irgendwie fad, mit braunen Teddybären drauf – nichts wirklich Passendes für meinen Dinosaurier-verrückten Sohn. Aber in den letzten 4 Jahren hat sich viel getan: Mittlerweile gibt es eine super Auswahl von spannenden grünen Mode-Marken für Babys und Kids. Biobaumwolle ist mittlerweile fast schon Standard bei vielen Baby- und Kindermarken!

Bei mir selber ist der Verzicht auf bestimmte Beauty-Produkte noch sehr ungewohnt: ich hab mit 39 bestimmte Favoriten, auf die ich schon seit Jahren setzte, zum Beispiel mein Lieblingsmascara, ohne das ich nicht aus dem Haus gegangen bin. Das ist schon eine große Umstellung!

WOMAN: Wo ist es dir leicht gefallen?

Lisi: Bei der Baby-Pflege war es viel leichter, weil ich das sehr viel von meiner eigenen Mutter erfahren habe: Da gibt es so viele Tipps und Tricks von früher, die natürlich sind und gut funktionieren, zum Beispiel ein Bad mit Kamillentee für Babys empfindliche Haut, oder eine Johanniskrautsalbe bei wunden Stellen. Auch das Angebot an schadstoff-freien Marken ist da schon seit einiger Zeit sehr gut und leicht überall erhältlich.

WOMAN: Hat alle so funktioniert, wie du es dir vorgestellt hast?

Lisi: Naja, mein Sohn hat einen sehr ausgeprägten Geschmack und mittlerweile seinen eigene Style – nicht alles, was ich so gekauft habe, hat er auch angezogen. Und er steht halt wie alle anderen Kinder auch auf bestimmte Figuren auf den T-Shirts und so muss ich schon hie und da nachgeben. Aber bei allem, was er direkt auf der Haut trägt, bin ich streng, das darf nur zertifizierte Biobaumwolle sein.

Bei meinem Naturkosmetika-Experiment bin ich immer noch am Testen, was mir gefällt und meiner Haut auch gut tut: Welche Foundation deckt meine Pigmentflecken am besten ab? Welche Naturkosmetika helfen bei ersten Fältchen wirklich? Ich ertappe mich oft, dass ich noch skeptisch bin, ob Naturkosmetik dasselbe kann als herkömmliche Kosmetik.

WOMAN: Was war dein Ziel / deine Intention?

Lisi: Ein gesundes Kind mit gesunder Haut und einem gesunden Immunsystem. Ganz klar. Für mich ist das kein Öko-Firlefanz oder Luxus, sondern ganz einfach logisch. Warum soll mein Kind giftige Kleidung tragen, die vielleicht auch noch von Kindern unter schlimmen Bedingungen hergestellt werden musste?

WOMAN: Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

Lisi: Meine Freundinnen waren erstaunt, weil ich überhaupt nicht dem Öko-Mama Klischee entspreche: ich liebe Mode, esse (Bio-)Fleisch und gehe lieber ins Kaffeehaus als ins Yogastudio. Auch mein Vater war anfangs sehr kritisch, weil er den Öko-Trend für eine Modeerscheinung hielt. Als er sah, wie sein Enkelsohn ein Spielzeugauto „Made in China“ in den Mund steckte und danach voller Farbe im Gesicht war, wurde auch er hellhörig. Viele Baby- und Kinderprodukte kommen heutzutage aus dem Ausland und werden fragwürdig produziert. Es ist einfach nicht mehr so wie früher, wo das Dreirad aus Holz geschnitzt war.

WOMAN: Hast du auch bereits davor auf einen nachhaltigen Lebensstil geachtet? Wie hat das ausgesehen?

Lisi: Nein, bevor ich ein Kind hatte, habe ich überhaupt nicht über meinen Konsum nachgedacht. Ich war ein Fashion-Victim und hab so gut wie gar nicht auf die Qualität der Stoffe oder die Herstellung geachtet. Erst durch Maximilian wurde ich sehr empfindlich was zum Beispiel chemische Gerüche in Textilien angeht oder wie sich ein Stoff auf der Haut anfühlt. Ich wollte eine Umgebung für ihn, in der alles so gesund und natürlich wie möglich ist.

WOMAN: Wie hat das Experiment deinen Alltag / dein Leben verändert?

Lisi: Sehr. Je mehr man sich informiert, umso mehr möchte man verändern. Ich habe deshalb einen Blog gestartet und schreibe auf www.littlegreenmag.com über nachhaltige Baby- und Kidsprodukte. Hier können sich Mamas und Papa über ein grünes Familienleben informieren. Es soll als Shopping Guide dienen, der Eltern hilft, schadstoff-freie, gesunde Produkte für ihre Kinder zu finden und grünen Firmen, vor allem lokalen Startups, eine Chance geben, sich einem breiten Publikum zu präsentieren.

WOMAN: Welche „nachhaltigen“ Fixpunkte gibt es heute in deinem Leben?

Lisi: Durch den Blog bin ich natürlich ständig auf der Suche nach neuen Inputs und wie mein Konsum nachhaltiger werden kann. Kind, Haushalt, Ernährung – da kaufe ich so gut es geht nur mehr grüne Produkte und Bioprodukte. Aber es gibt noch einiges zu verbessern, das ist klar!

WOMAN: Gibt es auch Bereiche in denen du bewusst – der Umwelt zuliebe – Abstriche machst?

Lisi: Nein, nicht wirklich. Für mich sind das keine Abstriche mehr, sondern teil meines Alltags. Ausreden hat man eh nicht mehr viele, weil es schon ein großes Angebot an grünen, nachhaltigen Alternativen gibt. Sogar einen nachhaltigen Kinderwagen gibt es schon – hergestellt in Oberösterreich…

WOMAN: Dein absolutes Umwelt-Must?

Lisi: Kein Wasser, keine Getränke aus Plastikflaschen! Ich mag allein den Geschmack nicht, von der Umweltschädlichkeit ganz zu schweigen. Ganz schlimm finde ich die Plastiktrinkflaschen für Kinder. In den Verschlüssen können sich Verunreinigungen ansammeln – wer davon einmal die Bilder im Internet gesehen hat, kauft nie wieder eine!

WOMAN: Welche einfachen Dinge in Bezug auf Umweltschutz kann jeder jeden Tag tun?

Lisi: Plastiksackerl vermeiden, recyceln, umweltfreundliche Alternativen kaufen- also versuchen, keine Schadstoff-Spuren zu hinterlassen. Ich habe gerade einen Film über die Verunreinigung der Meere gesehen. Die Mikroplastikteilchen aus Peelings und Zahnpasta können quasi nie wieder aus dem Wasser gefiltert werden. Das hat gewaltige Auswirkungen auf unser Öko-System und wäre eigentlich so einfach zu vermeiden.

WOMAN: Was ist dir hinsichtlich eines nachhaltigen Lebensstils besonders wichtig?

Lisi: Der gesundheitliche Aspekt dahinter: Schadstoffe in Kinderkleidung, Kinderschuhen, Möbeln oder Spielzeug können nachweislich den Hormonhaushalt eines Kindes verändern. Spätere Krankheiten nicht ausgeschlossen. Ich schulde ganz einfach meinem Kind, es gesund großzuziehen.

WOMAN: Stichwort Finanzen: Muss man sich ein umweltfreundliches Thema leisten können? Gibst du jetzt mehr oder weniger Geld aus?

Lisi: Klar ist ein Kind nicht billig und ein fair produzierter Kinderpyjama aus Biobaumwolle kostet mehr. Aber er kann öfters gewaschen werden und verliert nicht seine Form. Ich kaufe ihn ein bisschen größer, damit er länger passt – wir kommen sicher 2 Jahre mit 2 Pyjamas im Wechsel aus. Ich würde schon sagen, dass ich insgesamt weniger, aber dann eben bessere Qualität einkaufe. Und oft ergänze ich auch mit Second Hand-Kleidung – da sind die Schadstoffe zum Großteil schon rausgewaschen.

WOMAN: Was würdest du gern noch für die Umwelt tun, bist aber bislang gescheitert?

Lisi: Weniger Autofahren. Ich besitze erst seit diesem Sommer wieder ein Fahrrad. Das will ich unbedingt mehr nutzen.

WOMAN: Dein Tipp für alle, die mit einem nachhaltigen Lebensstil starten wollen?

Lisi: Irgendwo anfangen, zum Beispiel bei einem einfachen Bereich wie Putzmittel. Es gibt schon so viele grüne Alternativen, die man überall kaufen kann und der Umstieg ist keine große Sache im Alltag.

WOMAN: Und was gönnst du dir in jedem Fall – unabhängig vom Bio-Lifestyle?

Lisi: Flugreisen. Der Papa von Maximilian ist Australier. Unser Co2-Footprint sieht nicht sehr gut aus, wir sind viel im Flugzeug unterwegs. Da gibt es leider keine wirkliche Alternative.

WOMAN: Wann kann man, deiner Meinung nach, davon sprechen, dass man ein ökologisch, verantwortungsvolles Leben führt?

Lisi: Mittlerweile sehe ich das sehr entspannt. Anfangs habe ich mich sehr verunsichern lassen von diversen Öko-Mama-Plattformen im Internet, in denen gestritten wurde, ob jemand Öko sein kann, wenn er sein Baby nicht stillt oder keine Stoffwindeln verwendet. Ich finde, man muss nicht 100% Öko sein, um einen Beitrag zu leisten. Es muss in den persönlichen Alltag und in die Lebenssituation passen. Jeder noch so kleine Versuch, nachhaltig zu leben, ist wertvoll und sollte geschätzt werden.

 

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